Heute hatte das Kind einen Ausflug. Sie fuhren mit dem Museumsbus einige Orte weiter, um sich ein altes Dorf anzuschauen. Dabei wurde gewandert, ein Museum angeschaut, gegessen und gespielt. Der Ausflug begann eine Stunde später als der normale Unterricht, dauerte aber genausolange wie die Schule immer dienstags.
Jetzt kam das Kind nach hause, tief betrübt. Er habe sich den ganzen Ausflug anders vorgestellt und habe „die ganze Zeit geweint, weil er solches Heimweh hatte“.
Na doll. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Vorletzte Woche wurden wir Donnerstags gebeten, David von der Schule abzuholen, er sei wohl krank und habe Heimweh. Da hatte sich rausgestellt, daß er wohl ziemlich am Ende mit seiner Kraft war, da brauchte er wohl eine Pause. Aber heute?
Hatte er wirklich Heimweh, oder hatte er nur keinen Spaß an Ausflug/zu kalt/zu nass/zu faul so weit zu Fuß zu latschen? Der Ausflug war gemeinsam mit einer 1. Klasse, von der die Hälfte der Kinder mit ihm in einer Kindergartengruppe war. Er kannte also viele viele Kinder.
War er wieder müde? War ihm die Situation zu fremd?
Ob und was die Lehrerin mitbekommen hat, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall hat sie nicht merklich für ihn reagiert. Finde ich aber auch gut, sie wollte sicherlich vermeiden, ihm durch großes Mitleid Tür und Tor für Dauergejammer zu öffnen. Ein Kind aus seiner Klasse hat ihn deswegen sogar ausgelacht. Vielleicht dachte die Lehrerin, je weniger Wirbel sie darum macht, desto besser für das Kind.
Schließlich ist er jetzt fast 7 und sollte durchaus einen Vormittag ohne Mama bewältigen können.
Warum hat er jetzt nur so Anwandlungen? Sind das die Nachwirkungen vom Springen?
Wie gehe ich jetzt damit um? Ich kann Heimweh gut nachvollziehen, ich kann mich noch heute an Situationen aus meiner frühen Kindheit erinnern, wo ich selbst daran litt. Aber wenn er in der Schule anfängt zu weinen, dann stellt er sich selbst ins Abseits. Dann lachen ihn die anderen aus, 100 %. Er hat sich vielleicht auch gewünscht, daß er jetzt gepäppelt und getröstet wird, das war aber nicht der Fall. Darüber hat er sich ganz schön empört, keiner habe ihn richtig getröstet.
Ich habe ihm jetzt vorgeschlagen, daß er sich ein kleines Stofftierchen mitnimmt, damit er es kurz drücken kann, wenn er merkt, das Heimweh kommt. Ich habe ihm angeboten, ihm ein Foto von uns Eltern mitzugeben, das er sich anschauen kann, wenn er traurig ist. Ich hab ihn auch ermahnt, daß er versuchen muss, sich in einer solchen Situation zusammenzureißen, damit er sich nicht mit Weinen so ganz weit runter zieht. Ein weiterer Tip von mir war, sich abzulenken, sich ein Kind zu suchen, mit dem er sich unterhalten kann, etwas zu singen, zu spielen. Ich weiß aber nicht, wie herzlos das jetzt von mir war. Zumindest war er auch über mich empört, weil ich ihn jetzt nicht ausschließlich mit „och du armes kleines Butzilein!“ getröstet habe. Habe ich da jetzt richtig reagiert, ist das nicht auch ein Stück Erwachsenwerden, was jeder lernen muss? Oder wirft mir das mein Sohn noch in 30 Jahren fort: „Damals Mama, damals hat du mich nicht getröstet und sieh, was deswegen aus mir geworden ist!“ Und dann zeigt er mir seiner Überweisung zum Psychiater. Oder so. Kann aber auch sein, daß ich mich da grade reinsteigere
Was kann ich denn noch tun? Hat jemand eine Idee?







