Meine mittlere Schwester bloggt noch nicht, daher muss ich heute die Geschichte erzählen, die ihr gestern widerfahren ist.
Sie wollte kurz was im Garten kruscheln. Ging dann, so wie sie war im T-Shirt durch die Terrassentür in den Garten. Sohnemann (6) kam kurz hinterher, um zu sehen, was Mama treibt. Ging dann wieder rein.
Ein paar Minuten später versuchte meine Schwester selbiges. Also reinzugehen. Ging aber nicht. Tür war nämlich zu. Von Innen von Sohnemann zugemacht.
Schwester ruft. Klopft. Schreit. Brüllt. Sohn hört aber nix. Schwester geht ums Haus rum, klingelt. Klopft. Brüllt. Sohn hört weiterhin nix. Schwester friert. Schwester ruft, schreit, brüllt, sofern möglich, noch lauter. Mittlerweile wird die ganze Straße auf das Geplärre aufmerksam. Schließlich erbarmt sich eine Nachbarin, sie sucht meine Schwester, die die Ursache für den Krach zu sein scheint, auf. „Sahnsemol Frau SchweschdavonderEhefrau, is bei Ihne alles ok?“
„Ei nä, irschendwie net,“ antwortet meine Schwester, „mei Sohn hat misch ausgesperrt, un jetzt scheinda misch net se heere, uff jeden Fall machda mir net uff!“ Daraufhin bietet die nette Nachbarin an, irgendwo anzurufen. Also ruft meine Schwester bei sich zuhause an, aber das ist genauso vergeblich wie das Rufen und Brüllen. Also ruft sie meine Mama mit Ersatzschlüssel an.
Die springt in Jacke und Schuhe und saust quer durch den Ort zu meiner Schwester Heim. Während meine Schwester da also vor dem Haus im einzigen Sonnenfitzelchen steht und wartet, drängen die fiesen Gedanken in ihr Hirn: „Dem Kind wird doch nichts passiert sein?! Was wenn er die Treppe heruntergefallen ist und irgendwo verblutet, und deswegen nicht aufmachen kann?! MEIN ARMES KIND!!!“
Als meine Mama ankommt, ist Schwester mit den Nerven, wie man sich vorstellen kann, ziemlich am Ende. Meine Mama schließt auf, wird von meiner Schwester quasi zur Seite geschubst, die dann so schnell sie kann die Treppe hinaufhechtet. Nirgendwo liegt ein blutendes, sterbendes Kind. Nein. Eher im Gegenteil.
Sohnemann saß auf dem Bett und spielte DS. Das war alles. Er hatte alle Türen auf dem Weg zu seinem Zimmer schön ordentlich angelehnt, die Wärme soll ja drin bleiben. Außerdem macht DS spielen nur Spaß, wenn man die lustige Musik schön laut mithören kann. Da saß er also, und wunderte sich sehr über seine aufgelöste Mutter, über die plötzliche Anwesenheit seiner Oma und den allgemeinen Aufruhr, der auf einmal, mitten im schönsten Spiel, in seinem Zimmer herrschte.
Hach, solche Geschichten schreibt das Leben. Ich muss immer noch kichern.







