Mastbetriebe
Verfasst von ehefrau am Mittwoch, 25 Februar, 2009
Seit einigen Jahren hat sich bei Restaurantbetrieben eine „neue Masche“ entwickelt. Frei nach dem amrikanischen Motto „bigger is better!“ werden die Portionen vergrößert. Was sag ich vergrößert, potenziert trifft es wohl eher. Mann geht also in diese Restaurants um ein Platzset-großes Schnitzel, ein Kuhfladen-großes Steak, eine pythonähnliche Bratwurst oder einen Fladenbrotburger zu verspeisen. Garniert wird alles lecker mit Pommes und dickflüssigen Pampen, die wohl Cocktail oder Pilzrahmsoßen darstellen sollen.
Man frisst und frisst und frisst und versucht, möglichst viel der großen Portionen in den Magen hineinzustopfen, ungeachtet der Signale, die der eigene Körper mit Übelkeit oder Sättigungsgefühl aussendet. Damit das Essen besser rutscht, wird fleißig literweise kalorienfrei-freie Limonade nachgeschüttet. Oder Bier. Viel Bier. Und damit das mit der Verdauung besser klappt, noch ein Schnäpsken.
Und jede Menge Fernsehdokus darüber auf unseren über alles geliebten Privatsendern, die sich durch ihre fortwährend intelligenten Fernsehsendungen auszeichnen, suggerierem dem Zuschauer (die gleiche Zielgruppe ist auch Gast in solchen Restaurants), daß es sowohl schick als auch cool und trendy und hip und überhaupt ein absolutes MUSS ist, einen solchen „Gourmand-Tempel“ aufzusuchen.
Gesundheit egal. Preis und Qualität der Zutaten ebenso. Ob den Gästen der Irrwitz solcher Fressorgien bewußt würde, wenn man sämtliche Komponenten der Mahlzeit mal aufgesplittet serviert? Also eine Flasche Öl, ein halbes Paket Semmelbrösel, den Riesenlappen Fleisch, den Zucker etc.? Sicher nicht, ich bin sicher, sie fänden selbst das noch spaßig und cool. Das Unmengen von nicht-geschafften Portionen im Müll landen genauso schnuppe.
Dieses unselige Gefresse ist für mich der Inbegriff des bildzeitungslesenden Deutschen. Jammern und wettern wie schlecht es allen geht und samstags den Fressschuppen aufsuchen. Es ekelt mich allein bei dem Gedanken daran. Ich muss mich immer an die Fressorgie von Monthy Python erinnern. „Bring mir einen Eimer, ich muß kotzen!“ Dekadent und maßlos, sowohl in Punkto Genuss als auch in Punkto Dummheit. Und macht sicherlich Schule. Mich packt das blanke Entsetzen.








buchstaeblich sagte
Dummheit frisst, Intelligenz säuft Kaffee.
(setzt die Tasse an)
Stefan Praß sagte
Tröste Dich. Gleichzeitig wird in eben diesen Privatsendern propagiert, dass ausgedünnte Speisekarten und hochwertige Zutaten das A und O für ein gut geführtes Restaurant sind. Zu entsprechenden Preisen versteht sich, womit die eigene Zuschauerklientel aus eben diesen Restaurants ausgeschlossen wird…
semmy sagte
Mir macht ein bißchen Angst, dass du diesen Beitrag schreibst so kurz nachdem du schriebst, dass du heute faul bist, weil das Essen vorgekocht ist…
Aber wenn ich das richtig verstanden auch zappend mitbekommen habe, gab es sogar auf einem dieser privaten Sender jetzt gerade eine Doku darüber, wie verschwenderisch diese Art „Restaurants“ sind. Ich meine sogar bei Spiegel TV oder sowas. Kann aber auch sein, dass ich mich täusche.
hape42 sagte
@Semmy
Mein 600-Gramm Ribeye-Steak war da nicht gemeint!!!!
Ansku sagte
Wie recht Du hast, hab ich mir auch schon sooft gedacht. Aber es geht – noch – anders: Am Wochenende waren wir wegen meinem Abschluss mit der Familie essen und da gab es doch tatsächlich Portionen, nach denen man angenehm satt, aber nicht überfressen war. Unglaublich und das Essen war von vorne bis hinten durch sämtliche Gänge hindurch perfekt. Sowas gibt’s noch, aber man muss suchen.