So. Gestern war wieder Schlaukopf-Treffen. In dem ganzen Menschengewusel (es kam eine Mutter) hatten wir tatsächlich auch noch Zeit, Davids Schulprobleme anzusprechen. In dem Gespräch mit dieser anderen Mutter ging mir dann auf, daß wir uns am Anfang einer typischen HB-Schulkrise befinden.
David kann bereits lesen und rechnen. Mit schreiben hapert es bei ihm, er findet von Hand schreiben doof und nicht mehr zeitgemäß (
)
Da in der ersten Klasse aber nichts anderes gemacht wird, als laaaaangsaaaaaaam die Buchstaben zu lernen, laaaaaangsaaaaaaam versucht wird, Buchstaben zu Wörtern zu verbinden, und sie momentan immer noch dabei sind die Zahlen bis 10 erst mal schreiben zu üben, langweilt er sich.
Sein Charakterzug ist nicht der, daß er Langeweile einfach so hinnimmt. Es ist nicht seine Art, sein Schicksal einfach „hinzunehmen“. Also trägt er seine Langeweile offensiv nach außen. Er sagt ganz klar und deutlich, daß er mit dem Stoff der ersten Klasse unterfordert ist.
Jetzt bin ich eigentlich kein Freund des Springens. Ist einfach mit schrecklich viel Stress für alle Seiten verbunden. Außerdem finde ich, daß man nicht immer nur das machen kann, was einem Spaß macht. Man muß sich auch mit Gegebenheiten abfinden lernen, die man vielleicht nicht so toll findet. Man muß auch an sich arbeiten, damit man (wie z.B. im Schreiben) etwas firmer wird, und folglich mehr Spaß daran hat. Andererseits frage ich mich, ob man von einem 6jährigen Jungen erwarten kann, dieses lahme Jahr einfach so auszusitzen, ohne seinen Unmut kundzutun.
Ihr müßt mir darauf gar nicht antworten, ich stelle diese Frage an das Kosmische Nichts. Ich will hauptsächlich meine Gedanken formulieren und strukturieren. Daher mache ich jetzt mal eine Liste.
Pro Springen:
- David langweilt sich und ist mit dem Stoff der ersten Klasse weit unterfordert.
- David kann bereits lesen und rechnen im Zahlenraum bis um die 20 sicher. Bei einfachen Hunterter oder Tausender Aufgaben schafft er das auch locker.
- Die ggf. neue Lehrerin ist eine sehr nette, er kennt sie schon von seiner Besuchswoche
- der Sprung ändert möglicherweise das Verhalten von David, weil er mit dem geistigen Futter beschäftigt ist.
- Wir müssten einige schöne Persönlichkeitsmerkmale unseres Kindes „unterbinden“, damit er „der Lehrerin besser gefällt“, was meine Nackenhaare sträuben ließe.
Contra Springen:
- Die Lehrerin sagt, er könne nicht springen, bevor er die Grundlagen wie z.B. Schreiben nicht beherrscht.
- Die Lehrerin ist der Meinung, er müsse sich mehr im Griff haben, er müsse sein Ego etwas „verkleinern“, damit er erst mal in der ersten Klasse Fuß fasst und dort (bei ihr) nicht mehr aneckt.
- Die neue Klasse wäre wesentlich größer, da wären es statt 22 dann 28 Kinder.
- Die neue Lehrerin bleibt nur noch bis Ende 2009, dann käme schon wieder ein Wechsel auf ihn zu.
- Ich kann nicht garantieren, ob er sich in der 2. Klasse dann wesentlich besser verhält.
- Da die Lehrerin momentan dagegen zu sein scheint, werden wir „große Geschütze“ auffahren müssen, sprich wir werden das nicht alleine schaffen, sie zu überzeugen. Das bedeutet viel Stress, weil wir den schulpsychologischen Dienst und weiß der Geier was noch mit einschalten müssen.
- Vielleicht geben wir zuviel seinen Unarten nach, wenn wir ihn springen lassen? Sollten wir an der Stelle vielleicht lieber „erziehen“ als nachgeben? Aber ist das nicht ein Stück weit „brechen“ des Kindes? Die Frage aller fragen ist, kann man überhaupt von ihm verlangen, sich mit diesem Pupskram still und fröhlich zufrieden zu geben?
Im Moment habe ich das Gefühl, die Lehrerin ist ein wenig überfordert mit der Gesamtsituation. Ihre Freundlichkeit hat deutlich nachgelassen. Gestern ließ sie zwei Jungen (David war nicht dabei! Jubel!) eine ganze Schulstunde nachsitzen, weil sie 15 min zu spät von der Pause reingekommen sind. Ich weiß nicht, diese Maßnahme finde ich schon äußerst hart. Immerhin sind die Kinder erst einige Wochen in der Schule. Ich finde, wenn sie die versäumte Zeit nachgeholt hätten, hätte das durchaus gereicht. Aber gut.
Ich werde vermutlich noch Punkte hinzufügen. Im Moment sprechen mehr Punkte dagegen als dafür. Aber diese Punke erscheinen mir weniger wichtig als die Punkte, die dafür sprechen.
Fakt ist, dass ich mein Kind so liebe, wie es ist. Was nicht heißt, daß ich rüpelhaftes, unsoziales Verhalten toleriere oder mit seiner HB entschuldige. Aber ich sehe große Probleme auf uns zukommen, die es im Anfangsstadium zu ersticken gilt, wenn möglich. Daher werde ich am Montag mit dem SchupsyDie telefonieren, mal hören, was die sagt. Dann sehen wir weiter.








