Das Leben der Ehefrau

Abschlussbericht über David und die Schule

Verfasst von ehefrau am Freitag, 16 Mai, 2008

So, bei dem ganzen schönen Wetter, Sonnen und Grillen kommt frau ja zu nix. Aber bonafilia hat schon angemahnt, wie wolle wissen, wie es David in der Schule gefallen hat. Also reiche ich den Bericht hier nach.

Vorher war David auf jeden Fall sehr aufgeregt. Er hatte ganz schwierige Vorstellungen von der Schule, von denen er mir natürlich nichts gesagt hat. Er befürchtete tatsächlich schon eine BENOTUNG. Und fürchtete für sich natürlich lauter sechsen. Ich habe KEINERLEI Schimmer, wie er darauf kommt. Hat er vermutlich bei den Hortis im KiGa mitbekommen. Dabei gibts in der ersten und zweiten Klasse gar keine Noten. Naja, aus dieser Angst rührte jedenfalls seine Panikattacke am ersten Tag. Aber als wir das alles geklärt hatten, und noch dazu versichert haben, daß er als BESUCHSkind sowieso außer Konkurrenz läuft, war die Angst wohl größtenteils weg.

Die restlichen vier Tage hat er gut überstanden. Allerdings immer wieder unterbrochen von Wein-Attacken “Ich will meine Joanna aber nochmal wiedersehen, ich vermisse meine Joanna!”. Joanna ist eine seiner Erzieherinnen im KiGa. Ach herrjeh, es ist echt ein Kreuz, wenn man alles, was um einen rum passiert, genau versteht. Und das Seelchen für soviel ausgelöste Emotionen noch gar nicht bereit ist.

Jedenfalls hat er recht gut mitgemacht in der Schule, seine Leistungen waren denen der anderen Erstklässler beinahe gleich. Er war langsamer, ist ja klar, die Schreibroutine fehlt ihm noch. Was er auch nicht hat ist diese Basis, die Rituale. Zu wissen, was man wann machen muss, schnell seine Sachen zusammen packen, in einen bestimmten Klassenraum wechseln und lauter solche Sachen. Daher haben wir uns entschieden, ihn nach den Sommerferien fürs erste ganz normal in die erste Klasse einzuschulen. Dort soll er erst mal die Routine für alles bekommen, dann sehen wir weiter, ob und wann das Springen notwendig ist.

Jedenfalls war die Woche Schule mit seinem Geburtstag vorher eine rasante gefühlstechnische Berg- und Talfahrt, an der Verarbeitung knabbern wir immer noch.

Im Moment hat er eine ganz schlimme Phase. Er ist extrem unzufrieden mit sich selbst. Er macht den üblichen 6jährigen-Mist wie nicht zuhören, dazwischenplappern, andere auch mal schubsen. Er erträgt aber nicht die Reaktion der anderen um ihn herum. Wenn jemand mit ihm schimpft, bricht momentan wieder die Welt für ihn zusammen. Er schimpft sich selbst dauernd wieder “schlechtes Kind”. Hält Frustrationen der Zurückweisung ganz und gar nicht aus. Hämmert mit dem Kopf gegen die Wand. Ganz schlimm ist es im Moment wieder. Das letzte Mal benahm er sich so, als er letztes Jahr dann doch nicht in die Schule ging, obwohl er ein Jahr lang als Vorschulkind galt.

Gestern abend fand ich beim Haarewaschen einen blauen Fleck auf seiner Stirn, der vom An-die-Wand-donnern herrührt. Es ist tatsächlich wohl so, daß er von sich selbst eine ganz andere Sicht hat als wir. Er sieht sich selbst viel “schlechter”. Er unterstellt sich selbst, nichts zu können, ein “Nichtsnutz” zu sein. Das verbalisiert er auch so. Gestern hatte er sich sein Knie ein wenig aufgeschrammt im KiGa. War aber nicht tragisch und die Erzieherin meinte, er bräuchte kein Pflaster. Das war so schlimm für ihn, daß er in Verzweiflung verfiel und forderte, daß man ihn ab sofort nur noch “Doof, die Doofnuss” nennen solle.

Die anderen Kinder finden sowas natürlich eher witzig, und das Auslachen macht es für David dann nicht gerade besser. Jetzt ist es also an uns, sein Selbstwertgefühl wieder aufzuwerten. Und dabei muß man ganz sensibel vorgehen, plumpes “guck mal, was du schon alles kannst!” durchschaut er sofort und es löst eher das Gegenteil aus. Ich habe ihm gestern mal erklärt, daß niemand auf der ganzen Welt perfekt und ohne Fehler ist. Das konnte er gar nicht glauben. Und er war tatsächlich empört, weil ich sagte, auch er sei es nicht und müsse es auch gar nicht sein. Als ich ihm dann auch noch beteuert habe, daß jeder Mensch, auch ich und Hape und seine Joanna Fehler machen, und das soweit auch gar nicht tragisch ist, sofern man seine “Lehren” und Erfahrungen daraus zieht. Ich glaube, genau da ist der Knackpunkt. Er hat dermaßen hohe Ansprüche an sich selbst, die er niemals erfüllen kann. Und das löst diesen Minderwertigkeitskomplex und die ständige Frustration aus. *seufz*

Und wenn er dann ständig frustriert durch die Gegend läuft, ist er auch für andere, besonders für mich, ein rechter Stinkstiefel. Kann man nicht anders ausdrücken. Da passieren dann solche Dinge wie: ein zweites Überraschungsei direkt nach dem ersten verlangen. Und bei nicht-Erhalt desselben ein tierisches Theater anstimmen. Und dann eine halbe Stunde später erneut ein Ü-Ei verlangen. Und bei nicht-Erhalt dessen WIEDER ein riesen Theater veranstalten. Und genau diese Aktion ungefähr 5 mal hintereinander bringen. Und am nächsten Tag wieder von vorne. Als wäre es eine Überraschung, daß es KEINE zwei oder mehr Ü-Eier am Tag gibt. Und so haben wir über den Tag verteilt dann einige Themen, an denen wir uns aneinander reiben. DAS wiederum bringt mich dann an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

Er hats echt nicht leicht mit sich selbst. Und irgendwie kommts mir auch so ein klitzekleines bißchen bekannt vor… :???:

Das Leben kann so hart sein.

Eine Antwort zu “Abschlussbericht über David und die Schule”

  1. bonafilia sagte

    Oh das hört sich an als wärs durchaus spannend aber auch anstrengend gewesen!!!!

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