Ist es eigentlich schlimm…
Verfasst von ehefrau am Freitag, 18 April, 2008
… wenn man Literatur lieber hört als liest?
Sprich, verliert ein gutes Buch an Qualität, wenn man es sich lieber in Form eines Hörbuches anhört, als es zu lesen? Ist des verwerflich, wenn man lieber bequem ist, und sich das Stückchen Lesestoff vorlesen läßt, statt das selbst zu erledigen?
Irgendwie mache ich mir Gedanken, weil Lesen doch so wichtig ist. Und es macht mir auch wirklich viel Spaß, mich in fremde Welten entführen zu lassen. Ich habe nur nicht so oft die Zeit dazu. Tagsüber eigentlich gar nicht. Und abends bin ich einfach zu müde.
Aber es geht nichts darüber, beim Bügeln oder Putzen irgend ein tolles Buch zu hören. Traumhaft. Und so praktisch. Man kann mit seinen Gedanken in Pfhantasiewelten abschweifen, man erfährt gute Literatur und tut trotzdem nebenbei noch etwas Nützliches. Und ohne Hörzeugs einschlafen darf auch nicht sein.
Ich bitte jetzt also quasi um Absolution. Ist ein Shakespeare als vorgelesenes Werk qualitativ niedriger anzusehen als einer, den man sich im Schweiße seines Angesichts selbst angelesen hat? Doch eigentlich nicht, oder? Man hat nur seinem inneren Schweinehund nachgegeben. Hat es sich ein wenig leichter gemacht. Aber das Ergebnis ist doch das gleiche. Man hat den Shakespeare intus. Und vielleicht noch ein wenig besser und tiefer, weil man so entspannt zuhören konnte.
Wie seht ihr das?








wortteufel sagte
Da war ich auch mal. An dem Punkt.
Nur mir ist es lieber, ich höre Literatur, als dass ich überhaupt nichts mehr davon mitbekomme. Mir fehlt oft einfach die Zeit, um zu Lesen. Und abends bin ich meist so müde, die Augen brennen von der Arbeit am Rechner, dass ich im Bett nicht mehr Lesen kann.
Früher, als ich noch mit der Bahn zur Arbeit gefahren bin und morgens und abends eine Stunde Fahrt überbrücken musste, Single war und alleine lebte, abends mehr Zeit hatte und nicht so oft länger arbeiten musste, da las ich pro Woche zwei Bücher. Am Wochenende noch eins dazu.
Jetzt schaff ich pro Monat vielleicht eins. Als lesend.
Hörend hab ich fast immer noch das gleiche Pensum… Naja. Fast. Ein bis zwei pro Woche.
Die Alternative beim Bügeln zum Beispiel ist doch der Fernseher. Oder das Radio. Und dann hör ich doch lieber ein Hörbuch.
bonafilia sagte
Völlig OK !
Hören ist genauso gut wie selbst gelesen. Sicherlich es gibt Zeiten da genieße ich es in der Wanne zu liegen und ein gutes Buch in den Händen zu halten und zu lesen bis das Wasser eisekalt ist.
Aber wer hat denn bitte schön die Zeit dazu?
Mann /Frau muss Prioritäten setzen. Job/Ausbildung, Haushalt, Kinder, Freizeitstress..alles will in 24 Stunden untergebracht sein. Da genieße ich auch ein gutes Buch auf den Ohren, beim Putzen, Bügeln, Gartenarbeit und der langen Autofahrt (hier ohne Stöpsel)….Noch ein Vorteil, habe ich die Dinger erst mal drin, hör ich nix mehr drumherum…da können meine Ableger sich zanken wie die Kampfhähne…mir egal.
Meinen Segen zu Hörbüchern hast du.
Viel Spaß beim Hören
Schildmaid sagte
Ich mag beides gerne und viel. Ohne die Möglichkeit des Eskapismus via Buch/Hörbuch wäre ich nur ein halber Mensch. Und wenn die Alternative Radio oder TV heisst, dann kann ich mir gleich das Hirn amputieren lassen!

Als „bequem“ kann ich Hörbücher hören nicht empfinden: Ich muss schon sehr genau zuhören, damit mir nichts entgeht. Wenn ich ein Buch lese, und langweilige Passagen überfliege, na gut. Wenn ich bei einem Buch einschlafe, dann suche ich mir die entsprechende Stelle und lese dort weiter, ok. Bei einem Hörbuch die entsprechende Stelle wieder zu finden ist da schon schwieriger. Aber das kennst du ja.
Ich höre und lese überwiegend englisch sprachige Literatur, weil ich mich schon zu häufig über die schlechte deutsche Übersetzung geärgert habe. Oder im Fall eines meiner Lieblingsautoren, Haruki Murakami, dessen Bücher aus dem Japanischen ins Englische übersetzt werden, und aus dem Englischen dann ins Deutsche, da es in Deutschland an japanischen Übersetzern mangelt. Die Übersetzung der Übersetzung eines Buches zu lesen ist mir zu heikel. Und meine Japanischkenntnisse sind eher rudimentär.
Kritisch sehe ich das bei meiner Tochter: sie ist genauso den Hörbüchern verfallen wie ich, muss aber noch deutlich an ihrer Rechtschreibung arbeiten. Ihr Wortschatz hingegen ist beachtlich.
Da wir aber unsere Lektionen in Rechtschreibung und Grammatik gelernt haben, geht es hier um den Genuss.
Also: Lege das schlechte Gewissen in die unterste Schublade, ganz nach hinten; gib’ dir den Satz warme Ohren mittels ipod und geniesse das nächste Hörbuch!