Unsere Mitbloggerin Wortteufel hat sich hier sehr gesellschaftskritisch über Modeerscheinungen, Modeanbeter und Modeverweigerer geäußert.
Das brachte mich zum langen und ausgiebigen Nachdenken, wo ich mit meiner Meinung, meinem Geschmack und meiner Einstellung eigentlich stehe.
Ich beobachte schon lange, wie die Werbeindustrie arbeitet, um mir (und allen anderen) ein bestimmtes Produkt schmackhaft zu machen. Bei aller Bescheidenheit halte ich mich jetzt schon für jemanden, der vielleicht eine Spur mehr und logischer denkt als sagen wir der gemeine Bildzeitungsleser.
Aber um ehrlich zu sein, bin ich trotzdem immer wieder „Opfer“ der Werbeindustrie geworden (immerhin merke ich es, und Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung
). Gerade in Modefragen richte ich mich schon gerne danach, was gerade „in“ ist. Ich suche mir natürlich schon nur die Kleidungsstücke aus, die mir gefallen, aber eben aus dem vorhandenen, modernen Angebot.
Ich ertappe mich auch dabei, dass ich anfangs einen Trend eher, naja, nicht ganz so schön finde. Aber dadurch, dass ihn alle Welt dauernd vor meinen Augen spazieren führt, gewöhnt sich scheinbar mein Gehirn an den Anblick. Ich merke, wie ich diesem Trend immer weniger ablehnend gegenüberstehe bis er mir im schlimmsten Fall irgendwann sogar gefällt.
Leider dauert dieser Vorgang oft so lange, bis der Trend schon längst einem anderen gewichen ist, aber das ist ein anderes Problem.
Jetzt fühl ich mich natürlich schlecht dabei, dem nachzueifern, was mir die Werbeindustrie vorgibt. Frau will doch schließlich Individuum sein, eigene Gedanken, Ideen und vor allem Geschmack haben. Aber ich fürchte das ist nicht so leicht möglich. Man wird ständig von den Menschen beeinflusst, die uns vorgaukeln, irgendetwas sei „le dernier crie“, und jedwede Akzeptanz im privaten Umfeld hängt vom unbedingten Besitz des Gegenstandes oder Kleidungsstückes ab.
Die Frage ist doch, ist es grundsätzlich überhaupt möglich, seinen Geschmack völlig unbeeinflusst auszuleben? Oder sind es nicht gerade die vielen verschiedenen Stilrichtungen, die uns die Modewelt vorgibt, die unseren Geschmack erst richtig ausprägen? Ist nicht auch das kategorische Ablehnen eines jeden Modetrends eine Modeerscheinung und damit auch „très chic“?
Egal.
Ich jedenfalls habe jetzt überlegt und mir das Hirn zermartert, ob es denn tatsächlich nichts gibt, wo ich mich vom sog. „Mainstream“ entferne. 2 Tage hat es gedauert, bis ich gestern Abend endlich etwas gefunden habe. Es gibt tatsächlich einen Bereich, in dem ich quasi der Subkultur angehöre, soll ich Euch verraten, welcher das ist?
Ok.
Ich
brauche
weder
superflache
Handys
mit
runtergeladenen
Klingeltönen
und
Spielen
noch
brauche
ich
einen
i-pod.
(Ich wollte es nur ein wenig spannender machen…
)
Zum Handy:
Ich finde es total beknackt, ein so kleines Mini-Ding zu besitzen. Da kannst kaum smsen, und hauptsächlich dazu nutze ich das Mobiltelefon. Außerdem findet man dieses Zwergengerät niemals im weiblichen Handtaschenuniversum. Genausowenig brauche ich irgendwelche Rapper, Ausdünstungsgeräusche oder niedliche, blutende Tierchen als Klingelton. Mein Handy klingelt seit drei Jahren stolz mit der Melodie von Sex and the City, und das noch nicht mal im Echt-Ton-Format. Ich habe auch keinerlei Ambitionen mit meinem Handy irgendwelche komischen Spielchen zu spielen, da ist mir die Bedienung viel zu unkomfortabel. Ich höre mit meinem Handy auch keine Musik. Schon gar nicht laut und ohne Kopfhörer. Ich wollte, dem würden sich wieder mehr Menschen anschließen, mittlerweile belästigen mich unzähliche Jugendliche mit lauter, schrecklicher Musik, die aus dem Handy erschallt, das man dabei anscheinend auch unbedingt in der Hand halten muss.
Zum i-pod:
Brauch ich nicht. Ist mir winzig. Ich habe jetzt zwar keine Wurstfinger, aber trotzdem ist mir dieses Gerät viel zu filigran. Außerdem ist da eh nie genug Platz für alle meine Hörbücher. Und Musik hör ich kaum. Und dauernd mußt das Ding an den Rechner anstöpseln, um Playlists zu verändern, was neues draufzuladen oder runterzuschmeißen. Mein Mann hat übrigens einen. Was macht er damit? Der steht im Büro. Auf so ner Andockstation mit Lautsprechern, damit er die Musik laut hören kann. Wann er das macht? In den seltensten Fällen, denn oft sind Leute bei ihm im Büro oder er steckt in Meetings. Ich frag mich, obs da nicht auch eine Stereoanlage mit mp3-Funktion getan hätte. Aber auch das ist wieder ein anderes Thema…
. Ich jedenfalls besitze einen normalen mp3-Player, und der vermodert unterm Bett. So ist das eben. Ein weißes Kabel wird also nicht von meinem Ohr zu meiner Hosentasche führen.
Puh, was bin ich jetzt erleichtert, dass ich mir meine Individualität doch zumindest teilweise habe bewahren können!