Ich komme gerade von einem, ja, wie soll ich es nennen?! Ok, von einem Treffen, das meine Beruf betrifft.
Ich biete in unserer Kindertagesstätte Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund an. Zusätzlich startet in unserem Kindergarten das neue „Rucksack“ Projekt. Das ist ein Programm für ausländische Eltern, in dem in deren Muttersprache vermittelt wird, wie und was man mit seinem Kind in der Freizeit alles machen kann, und zwar zu bestimmten, alltäglichen Themen, wie z.B: mein Körper.
Der Hintergrund dieses Projektes ist der, dass die mehrsprachigen Kinder oftmals keine Sprache richtig beherrschen, sondern sowohl von der Muttersprache als auch von der deutschen nur Bruchstücke mitbekommen. Aber nur, wenn man eine Sprache gut beherrscht, kann man eine andere lernen. Soviel zur Einführung.
Die KiTas wurden jetzt gebeten, die Unterrichtsinhalte, die mit den teilnehmenden Müttern besprochen werden, auch in den Kindergartenalltag mit zu übernehmen, damit die Begriffe nicht nur in der Muttersprache sondern eben auch in Deutsch wiederholt werden. Klingt schlüssig.
Da saß jetzt also eine Horde Erzieherinnen und vorne stand eine Solzialarbeiterin der RAA, die uns das Projekt nochmal näher vorstellte. Es wurde von ihr ganz klar erklärt, daß es NICHT darum geht, konkrete Angebote im Kindergarten zum jeweiligen Rucksack-Thema anzubieten, sondern mehr im Alltag mit den Themen zu arbeiten. Aber eigentlich sei das nichts neues für die Einrichtungen, sondern genau das, was man als Erzieherin eben immer macht. Nur eben etwas focussiert auf das jeweilige Thema.
Besprechen die Mamis jetzt bei Rucksack eben „den Körper“ könnte man als Erzieherin jetzt nochmal verstärkt darauf achten, Körperteile zu benennen. Dafür brauch man kein Projekt, dafür braucht man nicht mit einer Kleingruppe in einen Extra-Raum gehen, nichts davon. Und ich kann für meine konkreten Sprachförder-Unterrichtseinheiten das Thema ganz leicht aufgreifen und da verschiedene Spiele oder sonstwas zu anbieten.
Alles geklärt. Für mich.
Jetzt frag ich mich aber, wieso wurden wir jetzt dorthin zitiert?! Das alles wußte ich schon vorher! Ich saß da jetzt zwei Stunden für nix und wieder nix.
Und die Horde Erzieherinnen um mich rum, glaubts mir, die wollte von der Mitarbeiterin der RAA ein vorgefertigtes, komplettes Programm von Dingen, die sie mit ihren Kindern tun sollen! Die wurden regelrecht garstig, weil sie so etwas nicht in die Hand bekommen haben! Und gleichzeitig waren sie noch sauer, weil sie befürchteten, das Extra-Programm (das sie ja NICHT anbieten sollen!) würde ihre normale situationsorientierte Projektarbeit behindern.
HALLO?! Ist da wer?!?!
Die haben leider nichts verstanden. Ok, ich hab auch nicht verstanden, wieso ich für das Wenige, was ich da erfahren habe, da hinkommen mußte, aber ich habe wenigstens den Sinn des Rucksack-Projektes erfasst. Einige schienen das Projekt zwar in ihrer Einrichtung anzubieten, aber gar nciht zu wissen, worum es dabei geht.
HALLO?! Ist da wirklich keiner?!?!
Wenn ich doch was bei mri anbiete, muss ich doch wissen, WAS ich da empfehle?! Und wenn ich zu so einem Treffen gehe, dann versuch ich doch vorher schonmal in groben Zügen über das Thema bescheid zu wissen, um nicht komplett blöd dazustehen?! Offensichtlich waren wir von unserer KiTa die einzigen, die das so auffassten…
Was da aber auch an Erziehungspersonal auf die Kinder losgelassen wird… Heidenei…
Neben mir saß eine mit gegelten Fingernägeln. Ca. 1 cm lang, jeder Fingernagel. Wie kann man damit arbeiten?! Ich sah weiße, fleckenlose Hosen! Ich sah durch tiefste Dekolletées mehr Bauchnabel, als mir lieb war. Wie kann man so arbeiten?! Bei jeder Bewegung fluppt mir doch die Brust ausm Hemd?! Da bringen doch nur noch Väter die Kinder in die Einrichtung?! Ich versteh das nicht.
Keine Ahnung von der Thematik, keine Ahnung von der Arbeit an sich. Und wir beschweren uns über PISA uns die Bildung unseres Nachwuchses…